1. Korinther 2, 1-5 – schwach sein

Paulus muss sich und seine Botschaft bei den Korinthern verteidigen. Er sagt, das er nicht mit hoher Weisheit und überedeten Worten das Geheimnis Gottes verkündigt hatte. Die Korinther waren anscheinend von seinen rhetorischen Fähigkeiten und von seinem ganzen Auftreten nicht besonders beeindruckt. Das müsste doch alles kraftvoller, beeindruckender und dynamischer aussehen, wenn Paulus wirklich vom Geist Gottes inspiriert wäre. Aber Paulus sagt, dass er bei den Korinthern nichts verkündigen wollte, außer dem gekreuzigten Christus. Und wie Christus in Schwachheit und Zittern dort am Kreuz hing, so muss auch die Botschaft des Gekreuzigten entsprechend weiter gegeben werden. Gerade weil er in solch großer Schwachheit gepredigt hat, ist er überzeugt, dass nicht seine gekonnten Worte überredet haben, sondern dass Gott selbst die Menschen überzeugt hat.

Meint Paulus das wirklich so, dass nichts wichtig ist, außer dem Gekreuzigten? Was ist mit dem Auferstandenen, dem Sieger über Tod und Teufel? Sagt er das Ganze nur als überspitzendes Gegengewicht, gegen die enthusiastische Frömmigkeit der Korinther? Können wir unser Christ-Sein nur in Schwachheit, Furcht und Zittern leben? Ich glaube das Geheimnis liegt darin, dass gerade in unserer Schwachheit die Kraft Gottes zum Wirken kommt. Paulus schreibt in dem Abschnitt nicht nur von der Schwacheit, sondern auch davon, dass gerade in seiner Schwachheit sich der Geist und die Kraft Gottes erweist (V. 4). Gottes Geist wirkt nicht da, wo wir aus eigener Kraft tolle Dinge vollbringen, sondern da wo wir mit unserem Unvermögen Gottes Kraft Raum geben.

Das heißt nicht, dass wir uns in unserem Glaubensleben gar nicht anstrengen sollen (als ausgebildeter Schriftgelehrter kann die Rhetorik und Redegabe des Paulus auch nicht so katastrophal gewesen sein; man merkt ja an seinen Briefen was für ein scharfsinniger Denker und kraftvoller Schreiber er war…). Aber es heißt für mich, dass eine ganz große Portion Demut notwendig ist, damit Gottes Kraft durch uns wirken kann.

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