1. Korinther 15, 29-33 – Taufe für die Toten

von windhauch

“Was soll es sonst, daß sich einige für die Toten taufen lassen? Wenn die Toten gar nicht auferstehen, was lassen sie sich dann für sie taufen?” (1.Kor.15,29)

Eine der schwierigsten und umstrittensten Stellen in den Korintherbriefen. Es gibt unzählige Versuche, diesen Vers zu deuten. Die naheliegendste und gängigste Auslegung ist, dass es in Korinth wohl einige gab, die sich stellvertretend für bereits Verstorbene taufen ließen (sog. Vikariatstaufe). Ähnliches gab es wohl auch in Mysterienreligionen der damaligen Zeit, welche nördlich von Korinth (in Eleusis) auch ein wichtiges Kultzentrum hatten. Auch aus christlichen Sondergemeinschaften des 2. und 3. Jh. (z.B. Marcioniten und Montanisten) werden solche Vikariatstaufen berichtet. Paulus nimmt demnach auf diese Sitte Bezug und verwendet sie als Argument für eine Auferstehung der Toten. Dabei bewertet er diesen Brauch weder als positiv noch als negativ. Problematisch bei dieser Auslegung ist eben die fehlende Stellungnahme des Paulus: Wie kann er, der in seinen Briefen so viele Missstände anspricht, diese Taufpraxis einfach so stehen lassen? Dieser Brauch entspricht doch ganz sicher nicht dem neutestamentlichen Taufverständnis!

Deswegen gibt es so viele Versuche, den Vers anders zu verstehen. Die paar, die ich entdeckt habe, überzeugen leider nicht besonders: Alle müssen den Wortsinn schon sehr dehnen, um auf eine andere Bedeutung zu kommen. Am ehesten nachvollziehbar ist die Auslegung von Adolf Schlatter: Er sagt, dass der Ausdruck “sich taufen lassen” sich auch auf den Märtyrertod beziehen kann. So bezeichnet z.B. Jesus selbst sein Sterben als ein “getauft werden” (Lk.12,50). Das macht auf jeden Fall sprachlich Sinn und ist auch belegbar. Problematisch finde ich dann aber den Zusatz “für die Toten” – warum sollte man in den Märtyrertod gehen “für die Toten”? Schlatter erklärt das anhand von 1.Petr.3,19f: So wie Christus nach seinem Tod in der Totenwelt gepredigt hat und den Toten das Evangelium brachte, so tun das auch die Märtyrer. Naja – das scheint mir weit hergeholt zu sein. Ein Märtyrer stirbt doch, weil er an seinem Glauben zum lebendigen Christus festhalten will und nicht weil er so große Sehnsucht danach hat, in der Totenwelt zu predigen…

Also… keine klaren Antworten. Eine Stelle, die letztendlich dunkel bleibt. Das heißt für mich, dass es am besten ist, daraus keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. So wie es z.B. die Mormonen tun, die aus dieser Stelle auch ihre heute gängige Praxis der Taufe für Verstorbene herleiten.

Das herumdoktern an solchen Stellen verschließt uns all zu leicht den Blick auf klare Stellen der Schrift. So z.B. in diesem Abschnitt das Bekenntnis des Paulus: “Ich sterbe täglich” (1.Kor.15,31). Das ist nicht symbolisch gemeint, sondern Paulus lebt seinen Glauben mit solchem Einsatz, dass er täglich dem Tod ins Auge blicken muss. Er ist täglich bereit für seinen Glauben zu sterben. Krass, dieser Paulus: Jesus an erster Stelle – koste es was es wolle!

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