1. Korinther 15, 20-28 – Wechselbad der Gefühle

Manche Korinther glaubten, dass sie jetzt schon mit Christus herrschen (vgl. 1.Kor.4,8). Sie glaubten, dass mit Kreuz und Auferstehung schon alles geschehen ist und dass wir jetzt schon in einem himmlischen Zustand mit Christus herrschen. Es gibt ja auch heute noch Christen, die sehr stark den Sieg Jesu betonen und sagen, dass auch wir Christen durch Jesus einen sieghaften Glauben leben können. Gegen diese all zu positive Sicht macht Paulus in diesem Abschnitt eine Grundwahrheit des Glaubens deutlich: Das Reich Gottes ist zwar schon angebrochen, es ist aber noch nicht vollendet. In diesem Abschnitt bezieht er das auf die Auferstehung: Durch Jesu Auferstehung ist die Macht des Todes grundsätzlich gebrochen, aber völlig besiegt wird der Tod – der letzte Feind – erst am Ende, erst bei der Vollendung.

Bis dahin wird es für uns Christen immer ein Wechselbad der Gefühle geben: Wir haben in Christus schon jetzt die ganze Fülle, aber es gibt noch immer viele Feinde und Hindernisse, die diese Fülle nicht zur Entfaltung kommen lassen. Schon jetzt hat Jesus dem Tod die Macht genommen und doch wird jeder von uns früher oder später mal auf dem Totenbett liegen (wenn nicht vorher Jesus wiederkommt 🙂 ).

Mich ärgert es, wenn manchmal all zu naiv versucht wird, diese Spannung aufzuheben (vor allem im Umgang mit Krankheit und Heilung): „Wenn du nur richtig glaubst, dann wird mit deinem Leben alles wieder in Ordnung kommen. Dann wird Jesus deine Krankheit heilen, denn er will ja dein bestes und er ist am Kreuz dafür gestorben.“ Natürlich will Jesus unser Bestes und natürlich hasst er Krankheit und Tod. Aber er hat diese Spannung noch nicht endgültig aufgehoben: Wir dürfen schon jetzt erleben, dass Jesus Heilung schenkt, aber wir müssen auch immer wieder feststellen, dass wir noch nicht in der Vollendung leben, dass nicht jeder geheilt wird, auch dann wenn genügend Glauben und Vertrauen da ist. Ganz einfach deswegen, weil der Tod und die Krankheit noch nicht völlig unterworfen sind und weil Gott selbst es zulässt, dass sie noch immer ihr Unwesen treiben.

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