1. Korinther 14, 26-33 – unordentliche Gottesdienste

In diesem Abschnitt gibt Palus konkrete Hinweise, wie mit Sprachengebet und prophetischer Rede im Gottesdienst umgegangen werden soll. Da kann man zwischen den Zeilen ein faszinierendes Bild entwerfen, wie damals (zumindest in Korinth) ein Gottesdienst ausgesehen haben könnte. Was ich besonders toll finde: Jeder hat etwas beizutragen. Jeder ist irgendwie beteiligt. Das ist keine Show, die einer oder ein paar wenige vorne abziehen, sondern da sind alle irgendwie beteiligt. Das vermisse ich heutzutage in vielen Gottesdiensten. Sei es in sehr traditionellen Gemeinden, in denen die Leute es aus lauter heiliger Ehrfurcht gar nicht wagen, etwas zu sagen oder spontan aus dem Gewohnten auszubrechen. Oder sei es in ganz modernen Gottesdiensten, bei denen es zwar scheinbar lebendig zugeht, aber letztendlich doch alles von ein paar Profis bis ins kleinste geplant und vorbereitet ist.

Paulus hat in Korinth freilich ein anderes Problem: Dort war alles zu chaotisch und zu durcheinander. Deswegen weist er darauf hin, dass immer nur einer reden soll und dass man aufeinander Rücksicht nehmen soll. Interessant ist dann seine Begründung: „Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens.“ (1. Kor. 14,33) Genial wie hier Paulus der Unordnung nicht die Ordnung gegenüberstellt sondern den Frieden. Es kommt letztendlich nicht auf die Ordnung an sich an, sondern auf das gute und liebevolle miteinander. Bezeichnend fand ich für mich, dass ich den Vers anders im Kopf hatte: Eben als Gegenüber von Unordnung und Ordnung – Gott als ein Gott der Ordnung. Das ist an sich nicht falsch, aber es zeigt, wie wir manchmal unbewusst die Akzente verschieben, wie die (Gottesdienst-)Ordnung wichtiger wird, als der Friede Gottes…

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