1. Korinther 14, 1-5 – Große und kleine Gaben

Komisch – bis jetzt hatte ich das Bild vom einen Leib und den vielen Glieder so verstanden, dass jedes Glied gleich wichtig ist und dass es darum keine großen und kleinen Gaben gibt. Paulus schreibt ja, dass gerade die Glieder, die am schwächsten erscheinen die nötigsten sind (1. Kor. 12,22). Aber in Kap. 14 scheint Paulus jetzt doch eine Rangfolge der Gaben aufzustellen: „Wer prophetisch redet, der ist größer als der der in Zungen redet.“ (1. Kor. 14,5) Was heißt das jetzt?

Wie so oft in der Bibel gibt es keine Schwarz-Weiß-Antworten, sondern eine differenzierte und vielschichtige Antwort. Für Paulus ist klar, dass kein Christ wichtiger oder unwichtiger ist als andere, weil er bestimmte Gaben hat und andere nicht. Alle sind mit ihren Gaben unersetzlich für den Leib Christi. Aber Paulus unterscheidet bei den Gaben selbst dann doch: Es gibt „größere“ und „kleinere“. Der Maßstab ist für ihn, ob die Gabe der Gemeinde nützt oder eher dem Christen persönlich (1.Kor.14,4: Zungenrede erbaut nur den Beter selbst, prophetische Rede dagegen die Gemeinde). Deswegen fordert er auf, vor allem nach der Gabe zu streben, die auch anderen nützt (der prophetischen Rede). Damit will er die Zungenrede nicht entwerten oder verbieten – nein, auch um diese Gabe soll man sich bemühen (1.Kor.14,1: Bemüht euch um die Gaben des Geistes…), aber am meisten soll man sich um die Gabe der prophetischen Rede bemühen (1.Kor.14,1: …am meisten aber um die Gabe der prophetischen Rede). Denn diese Gabe erbaut nicht nur mich, sondern auch andere.

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