1. Korinther 1,12 – 2,4 – Schöne, schreckliche Gemeinde

Da menschelt es ganz schön zwischen Paulus und der Gemeinde in Korinth. Anscheinend hat der Apostel den Korinthern gesagt, dass er auf dem Weg von Mazedonien nach Judäa bei ihnen vorbei schaut (1.Kor.1,16). Aber er kam nicht, er hatte seine Reisepläne geändert… Verständlich, dass die Korinther irritiert waren. Zu seiner Rechtfertigung fährt Paulus dann große Geschütze auf: Sein Wort an die Korinther ist nicht Ja und Nein zugleich, so wie auch Jesus Christus nicht Ja und Nein zugleich ist – er ist das große Ja auf alle Verheißungen Gottes (1.Kor. 1,18-20). Damit will er wohl sagen, dass die Entscheidung nicht zu kommen, nicht aus Böswilligkeit geschah, sondern dem größeren Ganzen seiner Botschaft und seines Auftrags diente. Ganz konkret gibt Paulus dann als Grund an, dass er die Korinther schonen wollte (1.Kor.1,23) und sie mit seinem Besuch nicht wieder in „Traurigkeit“ führen wollte (1.Kor.2,1-4).

Das alles weißt auf ziemliche Probleme, Missverständnisse, gegenseitige Vorwürfe, beleidigte Reaktionen, Auseinandersetzungen hin, die bei Paulus zu „Trübsal“, „großer Angst“ und „Tränen“ geführt haben (1.Kor.2,4). Also schon damals lief in der Gemeinde nicht immer alles rund. Schon damals haben sich die „Brüder und Schwestern“ in der Gemeinde gegenseitig schwere Verletzungen zugefügt und schon damals ging es in der Gemeinde manchmal knüppelhart zur Sache. Schade eigentlich… Aber beruhigend zugleich… Wir sind heute gar nicht soooo viel anders als die ersten Christen. Damals wie heute kann Gemeinde wunderschön und herrlich sein, man kann aber damals wie heute auch sehr unter ihr leiden. Und damals wie heute müssen wir lernen, wie wir damit umgehen. So wie Paulus: er will keine neuen Vorwürfe anhäufen, er versucht zu erklären und er ist bereit, sich in dem Konflikt selbst zurück zu nehmen, um nicht neue Verletzungen und Traurigkeit zu provozieren.

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