1. Korinther 1,10-17 – Respekt

Das erste, das Paulus anspricht sind die unterschiedlichen Gruppierungen in der Gemeinde. Es gibt Spaltungen, und zwar Spaltungen, die sich mit bestimmten Personen verknüpfen. Manche halten zu Paulus, manche zu Apollos, manche zu Kephas und eine vierte Gruppe sagt, sie gehört zu Christus. Die Positionen dieser Gruppierungen werden nicht näher beschrieben, wir können da nur Vermutungen anstellen. Zu Paulus zählen sich vielleicht am ehesten Heidenchristen, die die Botschaft der christlichen Freiheit zu stark betonen. Apollos ist ein Judenchrist aus Alexandria. An ihm gefiel wohl seine Redekunst und seine Bildung (Apg. 18,24-25). Er schien rethorisch viel besser drauf zu sein als Paulus, der selbst betont, dass er nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit predigt (1. Kor. 2,4). Zu Kephas (also dem Jesusjünger Petrus) zählten sich vermutlich diejenigen, die stärker das alttestamentliche Gesetz betonten. Ist die vierte Gruppe eine Ergänzung des Paulus, um die Absurdität dieser Gruppen zu verdeutlichen, oder ist es eine Gruppe, die sich exklusiv als die wahren Christen sah?

Spannend ist auf jeden Fall, dass Paulus nicht seine eigenen Anhänger verteidigt und ihre Position stärkt, sondern dass er alle in die Pfanne haut. Wenn wir uns in Spaltungen aufsplittern und gegenseitig bekämpfen, dann liegen wir alle falsch. Wie ist das dann heute, wo der eine sagt: Ich bin katholisch, ich bin evangelisch, ich bin Baptist, ich bin Methodist, ich bin Charismatiker und wieder andere sagen, dass alle Konfessionen falsch liegen und nur sie selbst wirklich Christus nachfolgen? Wir sind bis heute eine gespaltene Christenheit. Ich glaube es kommt darauf an, wie viel Gewicht wir diesen Unterschieden beimessen und ob wir einander gegenseitig die Rechtgläubigkeit absprechen. Paulus ist es wichtig, dass wirklich alle sich an Jesus Christus ausrichten, dass wir in dieser Beziehung wirklich eine Gesinnung und eine Meinung haben. Wenn das gegeben ist, dann dürfen unterschiedliche Traditionen und unterschiedliche Frömmigkeitsrichtungen durchaus sein. Also nicht vergessen: RESPEKT ist wichtig!

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