1. Korinther 10, 23 – 11, 1 – Freie Diener

Als Abschluss der ganzen Diskussion um das Essen von Götzenopferfleisch fasst Paulus noch einmal seine Meinung zusammen: Uns Christen ist alles erlaubt (ein Slogan, den manche Korinther für sich in Anspruch genommen haben und den Pauls grundsätzlich unterstütz), aber nicht alles ist gut für uns und für andere. Wenn ich mit meinem Verhalten einen Anstoß für das Gewissen eines Mitchristen gebe, dann sollte ich aus Liebe zu ihm darauf verzichten. Anstoß geben meint dabei mehr als nur, dass dem anderen irgendwie meine Nase nicht passt, sondern es meint, dass ich durch mein Verhalten den Glauben des anderen grundsätzlich ins Wanken bringe.

In dem Abschnitt wird im Grunde das deutlich, was Martin Luther in seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ folgendermaßen zusammengefasst hat:

Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan.
Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.

Wir sind durch Christus absolut frei geworden. Er hat uns von allen Bindungen befreit. Aber zugleich stellt uns Christus in den Dienst der Liebe. Aus Liebe schränken wir freiwillig unsere Freiheit ein, machen uns sogar zu Knechten, um anderen Gutes zu tun. Eigentlich ist dieses Paradoxon gar nicht zu leben: Wie sollen wir unsere Freiheit leben, wenn wir dauernd für andere knechten müssen? Ich finde es aber wichtig, dass es beide Seiten gibt: Wir bleiben in dieser Spannung und müssen immer wieder darauf achten, dass wir nicht die eine Seite zu Gunsten der anderen aufgeben.

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