1. Korinther 10, 1-13 – Sakramentalismus

Paulus spielt in diesem Abschnitt auf Taufe und Abendmahl an. Allein die Teilhabe daran bringt uns noch nicht in den Himmel. Er vergleicht es mit den Erfahrungen, die das Volk Israel in der Zeit der Wüstenwanderung gemacht hatte. Auch sie wurden „auf Mose getauft“ (beim Gang durch das Meer auf der Flucht vor den Ägyptern) und sie haben vom geistlichen Felsen getrunken (welcher von Paulus als Christus gedeutet wird). Aber das alles hat sie nicht davor bewahrt, später wieder von Gott abzufallen und in der Wüste erschlagen zu werden. Nur wenige haben dann tatsächlich das gelobte Land erreicht. Auf diesem Hintergrund mahnt Paulus die Korinther: „Darum, wer meint, er stehe, mag zusehen, dass er nicht falle.“ (1.Kor.10,12)

Man könnte von dieser Stelle aus jetzt herrlich gegen den Sakramentalismus der Großkirchen wettern (d.h. zum Beispiel gegen die Vorstellung, dass man durch die Kindertaufe schon einen Platz im Himmel sicher hat). Andere zu kritisieren ist immer leicht und lenkt sehr schön von den eigenen Unzulänglichkeiten ab… Im Sakramentalismus wird stark betont, dass Gott durch äußerliche Zeichen am Menschen handelt, ganz unabhängig von der Einstellung des Menschen. Das ist sicher nicht die ganze Wahrheit, aber mit dieser Ansicht wird eine Seite unseres Glaubens überdeutlich betont: Keiner kann sich Gottes Gnade verdienen, sie wird uns – gänzlich ohne eigene Leistung – geschenkt. Wenn wir uns Gottes Zuwendung erst durch unser Verhalten verdienen müssten, dann wären wir alle verloren.

Mir ist klar, dass dieser Heilsautomatismus des Sakramentalismus eine Verzerrung der Bibel ist (genau diesen Automatismus kritisiert Paulus ja hier). Wenn wir aber den Sakramentalismus kritisieren, dann müssen wir aufpassen, dass wir nicht auf der anderen Seite vom Pferd fallen: Dass nämlich Taufe und Abendmahl an sich überhaupt keine Bedeutung haben und dass nur bei denjenigen, die richtig glauben und bekennen Gott in den Sakramenten handelt. Dass nämlich im Abendmahl nur dann Gott gegenwärtig ist, wenn wir geistlich auf der Höhe sind, wenn wir uns durch Lobpreis und Anbetung richtig für Gott geöffnet haben und wenn wir Gottes Gegenwart auch spüren. Damit machen wir Gottes Handeln von unserer Glaubensstärke und unseren Gefühlen abhängig.

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