1. Korinther 1, 18-31 – Der Jude und Grieche in mir

Was für eine Wucht, Kraft und Provokation stecken in diesen Worten! Hab den Abschnitt schon oft gelesen und doch hat er mich heute wieder neu erstaunt. Für uns erscheint es schon so bekannt und normal, dass das Wort vom Kreuz als eine Torheit erscheint, aber wenn wir diesen Text mit offenem Herzen lesen, dann fordert er auch uns heute heraus.

Bevor Paulus in die mühsame Diskussion darüber einsteigt, was denn alles in Korinth schief geht, legt er hier ein Fundament für seine gesamten Aussagen. Es geht ihm in allem um den gekreuzigten Christus. Und diese Botschaft ist nicht immer einfach, nicht immer logisch und nicht immer in der Weise „erfolgreich“, wie wir uns das oft wünschen. Paulus stellt die Botschaft vom Kreuz zwei Weisen gegenüber, wie damals Menschen nach Gottes Wirklichkeit und Relevanz gefragt haben: Die „Juden“ fordern Zeichen. Sie wollen etwas sehen, sie wollen erleben, wie Gott eingreift und er unsere Welt auf wunderbare Weise verändert. Sie wollen nicht nur sein Wort hören, sondern handfeste Hinweise erleben, dass Gott gegenwärtig ist. Die Griechen nähern sich Gott über die Weisheit, über das Denken. Sie wollen Gottes Sein und Handeln auf logische Weise ergründen.

Nun ist ja beides nicht an sich falsch. Jesus hat Wunder und Zeichen getan. Er hat Menschen geheilt, er hat Stürme gestillt, er hat Hungernde mit zwei Broten und fünf Fischen satt gemacht, er hat den Toten Lazerus ins Leben zurück gebracht und vieles mehr. Aber das war nicht das Eigentliche, das war nicht das, was uns selig macht, das war nicht die eigentliche Kraft Gottes. Paulus sagt: Das Wort vom Kreuz macht uns selig (1.Kor.1,18.21), das Wort vom Kreuz ist die eigentliche Kraft Gottes in unserem Leben. Erlösung, Heil und Heilung geschieht nicht durch Zeichen und Wunder, sondern sie geschieht am Kreuz.

Auch die Weisheit ist an sich nicht falsch. Im Alten Testament gibt es eine ganze Frömmigkeitsrichtung, die sich der Weisheit verschrieben hat. Richtig verstanden (nämlich in der Verbindung mit der Gottesfurcht) ist die Weisheit eine wichtige Hilfe in unserem alltäglichen Leben. Aber sie ist nicht das Eigentliche. Sie schenkt keine Rettung und Erlösung. Das geschieht allein am Kreuz. Die zeichenhafte Erweise der Kraft Gottes und auch die Weisheit, die versucht Gottes Geheimnissen nachzuspüren haben beide ihre Berechtigung. Aber sie haben auch ihre Begrenzung.

Auch in mir stecken diese menschlichen Wege nach Gott zu suchen. Auch in mir steckt so ein kleiner Jude und ein kleiner Grieche. Und der Jude sagt: „Wär es nicht schön, wenn Gott wirklich eingreifen würde in dein Leben? Wenn er die Kranken und Elenden um dich herum einfach heilen könnte? Wenn du jeden Tag zeichenhaft Gottes Kraft erleben würdest?“ Und der Grieche in mir versucht mit Logik und guten Argumenten, die Bibel und Gottes Wesen in kleine verdauliche Happen zu verarbeiten. Kleine Brocken göttlicher Weisheit, die mein Leben nicht all zu stark aus der Bahn werfen… Und zu diesen beiden munteren Weggefährten muss ich dann ab und zu sagen: „Ihr habt ja durchaus recht. Aber das was ihr da dauernd fordert, das ist eigentlich nur der Nachtisch. Ihr wisst doch: Zu viel Süßes ist ungesund! Lasst uns zuerst mal den Hauptgang richtig verdauen. Und zur Not muss ich als Christ auch mal ohne das Dessert auskommen!“

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