1. Korinther 14 – Zeloten des Geistes

In den restlichen Versen von Kapitel 14 führt Paulus seine grundsätzlichen Aussagen von 1. Kor. 14,1-5 noch weiter aus und begründet sie. Neben dem Interesse dass die Gaben des Geistes uns gegenseitig erbauen und helfen sollen, tritt ein missionarisches Interesse. Im Zusammenhang des gemeinsamen Gottesdienstes bewertet Paulus die verständliche prophetische Rede, die konkret in eine Lebenssituation hinein spricht und die Menschen dadurch weiter helfen kann, höher als das Sprachengebet, das vor allem der persönlichen Erbauung dient. Drastisch bringt er das in V. 19 auf den Punkt: „Aber ich will in der Gemeinde lieber fünf Worte reden mit meinem Verstand, damit ich auch andere unterweise, als zehntausend Worte in Zungen.“ Um andere zu erbauen, um ihnen zu dienen brachen wir verständliche und verstehbare Worte – sonst bringt es ihnen gar nichts.

Was mir darüber hinaus ganz allgemein bei diesem Themenkomplex aufgefallen ist, sind die wiederholten Aufforderungen des Paulus, nach den Geistesgaben zu „streben“ bzw. „sich darum zu bemühen“ (1. Kor. 12,31; 14,1; 14,39). Auch wenn Paulus manch konkrete Kritik am Umgang mit den Geistesgaben hat, so ist es für ihn doch klar, dass sie wichtig und erstrebenswert sind. Von meinem lutherisch-pietistisch-evangelikalen Hintergrund her tu ich mich eher schwer mit den Geistesgaben. Ich kenn eher die Einstellung: „Na klar gibt’s Geistesgaben. Und manche haben halt diese Gaben und andere jene. Da sollte man nicht immer neidisch auf andere schauen.“ Gerade gegenüber den „spektakulären“ Gaben gibt es eine gewisse Scheu.

„Bemüht euch um die Gaben des Geistes“ (1. Kor. 14,1). Den Satz und vor allem das Wort „bemühen“ hab ich mir mal genauer angeschaut. In verschiedenen Übersetzungen (eifern, sich bemühen, danach streben) und dann auch im Griechischen: Ich war überrascht welches Wort da im Original steht: „zäloo“ (meist mit „eifern“ übersetzt). Auch die Zeloten haben ihre Bezeichnung von diesem Wort: Die Zeloten das war eine Gruppe von religiösen Eiferern zur Zeit Jesu, sie sich durchaus auch gewalttätig für ihren Glauben und gegen die Römer eingesetzt haben. Auf ähnliche Weise sollen wir also auch nach den Geistesgaben streben. Sich bemühen meint also nicht nur: ab und zu dafür beten, sondern da steckt mehr dahinter: Herzblut, Leidenschaft, Zielstrebigkeit, Kampf… Bleibt nur die Frage, wie man das denn konkret macht: Sich voller Eifer und Leidenschaft um Geistesgaben zu bemühen. Was kann ich dafür tun, außer beten?

Bewerte diesen Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.