1. Johannes 5, 14-21 Sünde zum Tod

Was für eine seltsame Stelle! Johannes unterscheidet hier zwischen zwei verschiedenen Arten von Sünde: es sagt, dass es eine Sünde gibt, die nicht zum Tod führt und eine Sünde, die zum Tod führt. „Es gibt aber eine Sünde zum Tode; bei der sage ich nicht, dass jemand bitten soll.“ (V.16) Der Zusammenhang ist die Fürbitte für den „Bruder“ (V.16), also für Christen. Was die Stelle so schwierig macht ist, dass Johannes hier gar nicht erklärt, was die Sünde zum Tod ist, sondern dass es ihm um die Frage der Fürbitte geht.

Das eröffnet natürlich jede Menge Raum für Spekulation und für die unterschiedlichsten Erklärungsversuche. Ehrlich gesagt: bei den verschiedenen Erklärungsversuchen tun sich für mich mehr Fragen auf als Antworten. Je nachdem von welchem Zusammenhang her man diese Stelle anschaut, ergeben sich die unterschiedlichsten Meinungen. Mich überzeugt kein Erklärungsversuch wirklich. Geht es um den irdischen Tod oder um den endgültigen Tod? Geht es um die falschen Propheten, welche die Adressaten des Briefes verwirren (und die in 2,22 als Antichristen bezeichnet werden) oder geht es allgemein um Christen? Hat die Sünde zum Tod etwas zu tun mit der Sünde gegen den Heiligen Geist (Mk.3,29) oder nicht? Hat die Sünde zum Tod etwas zu tun mit der Sünde des bewussten Glaubensabfalls, um die es in Hebr.6,4-8 geht? Könnte damit das gemeint sein, was Ananias und Sapphira geschehen ist, die vor der Gemeinde geheuchelt haben und daraufhin von Gott mit dem sofortigen Tod bestraft wurden? Soll man diese Stelle mit 1. Kor. 5,5 in Verbindung bringen, wo es um jemanden geht, der eine besonders schwere Sünde getan hat und der damit sein irdisches Leben eingebüßt hat, aber mit dem Ziel „damit der Geist gerettet werde am Tage des Herrn“? Also eine besonders schwere Züchtigung, um den Menschen dann doch letztendlich zu retten? Geht es um eine ganz bestimmte Sünde oder kann es prinzipiell jede Sünde sein und es kommt auf die Umstände an?

Ich verstehe nicht, warum Johannes das hier nicht näher erläutert. Aber ich weiß, dass es genügend Beispiele in der Bibel gibt, bei denen Gott selbst die schlimmsten Sünden vergibt. Mose hat einen Menschen getötet und doch benutzt Gott ihn, um sein Volk in die Freiheit zu führen. David hat Ehebruch begangen, dann auch noch den betrogenen Ehemann um die Ecke gebracht und doch hat Gott ihn nicht verworfen. Petrus hat Jesus feige verleugnet, hat gesagt, dass er ihn nicht einmal kennt und doch hat Jesus ihm vergeben. Die Römer haben den Sohn Gottes ans Kreuz genagelt und doch bittet Jesus für sie um Vergebung (Lk. 23,34). Paulus hat die Gemeinde auf fanatische Weise bis aufs Blut verfolgt und wollte sie vernichten und doch darf er umkehren und wird zum größten Missionar der Urchristenheit.

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1. Johannes 5, 14-21 Sünde zum Tod
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Ein Gedanke zu „1. Johannes 5, 14-21 Sünde zum Tod“

  1. Gott wird uns sagen, welche Sünden zum Tode sind und welche nicht unbedingt … gehe hinfort und sündige nicht mehr, sehe Deine Sünden und all Dein Wandeln, und sehe, dass Jesus seine Mitmenschen mehr geliebt hat als sein eigenes Leben. In jedem Menschen kann Gott zur Entfaltung kommen, -er braucht aber Raum. Jesus wollte diese Räume bei seinen Zuhörern schaffen, -dafür ist er am Kreuz gestorben.

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