1. Johannes 4, 17-21 Wie geschieht Veränderung?

In den letzten Tagen habe ich mir darüber Gedanken gemacht, ob man menschliches Verhalten oder sogar menschliche Herzen durch Druck verändern kann. Ich bin davon überzeugt, dass wirkliche Veränderung nur von Innen kommen kann und nicht von Außen erzwungen werden kann. Klar: wenn ich genügend Druck erzeuge, kann ich äußerlich das Verhalten ändern, aber im Inneren erzeuge ich dadurch doch erst recht Widerstand.

Im heutigen Abschnitt begegnet mir ein ähnlicher Gedanke: „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe.“ (V.18) Liebe zu Gott und zum Nächsten kann ich nicht erzwingen. Von dieser Liebe muss ich im Innersten überzeugt sein, sie muss von mir selbst aus kommen, die kann ich nicht von Außen „einimpfen“. Glaube der auf Angst basiert geht am Wesentlichen vorbei.

Auf der anderen Seite frage ich mich, ob das immer so zutrifft. Erzählt Jesus nicht auch einige Gleichnisse, die mit der Angst der Zuhörer arbeiten (z.B. das Gleichnis von den zehn Jungfrauen, von denen fünf nicht bereit waren für die späte Ankunft des Bräutigams und die dann nicht beim Hochzeitsfest mitfeiern durften)? Und müssen wir nicht manchmal zuerst eine äußere Verhaltensänderung erzwingen, bevor eine innere Einsicht zustande kommen kann?

Wie ist es z.B. in der Kindererziehung? Muss ich da nicht manchmal die Kinder mit mehr oder weniger Druck zu einer guten Gewohnheit zwingen, obwohl sie vielleicht erst später einsehen werden, dass das gut so war? Wie ist es z.B. bei Drogensüchtigen, muss da nicht erst einmal der harte körperliche Entzug stattfinden, bevor man auch innerlich frei werden kann? Andererseits sagt man ja gerade bei Suchtkranken, dass der Entzug nur wirklich funktionieren kann, wenn der Kranke auch wirklich von sich aus Heilung will…

| Bibeltext |

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