1. Johannes 2, 18-29 Der Antichrist

Interessant an diesem Text ist, dass Johannes von Antichristen im Plural spricht und dass er davon ausgeht, dass schon viele Antichristen gekommen sind (V.18). Inhaltlich kennzeichnet er einen Antichristen als jemand, „der leugnet, dass Jesus der Christus ist.“ (V.22) Damit meint er wohl gnostische Irrlehrer aus der damaligen Zeit, die ursprünglich mit christlichen Gemeinden verbunden waren.

Was die Gnostiker nicht glauben konnten war, dass der himmlische Christus, der Sohn Gottes, wirklich eins geworden ist mit dem Menschen Jesus. Für sie ist Gott und sein Sohn so herrlich und so anders, dass er nicht wirklich zu vergänglicher Materie werden konnte und am Kreuz verbluten und ersticken konnte. Sie gingen davon aus, dass der himmlische Sohn Gottes nur den Menschen Jesus von Nazareth eine Zeit lang sozusagen als Hülle benutzt hatte und dann rechtzeitig wieder in die himmlische Herrlichkeit zurück kehrte.

Ich kann die Denkrichtung der Gnostiker recht gut verstehen. Ich würde auch lieber als Nachfolger Christi in himmlischen Sphären schweben, als mich immer wieder neu mit der Gebundenheit an die vergängliche materielle Welt auseinander zu setzen. Ich würde auch lieber dem Leid und dem Schmerz entfliehen, als mich mit den Abgründen unserer verlorenen Welt auseinander zu setzen. Aber wenn ich von Jesus Christus das Fleisch, das Leiden, das Sterben wegnehme, dann wird daraus ein Antichrist.

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3 Gedanken zu „1. Johannes 2, 18-29 Der Antichrist“

  1. Als die Mit Gott versöhnten Kinder müssen wir auch beides aushalten bzw. ausleben: Sowohl die Gegenwart Gottes als auch unser Leben im Fleisch. Alles andere ist Religion und damit Perversion des wahren Glaubens (= antichristlich). Danke!

  2. Mir ist diese EInschränkung auf die Gnostiker zu simpel.
    Sind diese Lehrer nicht viel gefährlichere Antichristen, die Jesus Christus komplett richtig zitieren, richtige Auslegungen bereitstellen, aber im praktischen Leben die Lehre von Jesus Christus verleugnen?
    Kann man Menschen als Christus-Gläubige bezeichnen, wenn sie sich ganz bewußt nicht an die Worte von Jesus Christus halten wollen, weil sie glauben, dass sie heute klüger sind und besser wissen was man heute tun und lassen muss?

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