…ein stilles, sanftes Sausen

Jeremia 2, 26-37 Der klagende Gott

Jeremia lässt Gott wie einen wütenden, enttäuschten und traurigen Liebhaber reden. Ganz besonder ins Auge gefallen ist mir V. 32: “Mein Volk aber vergisst mich seit endlos langer Zeit.” Man hört den Schmerz heraus. Und die Ohnmacht. Gott kann die Zuwendung seines Volkes nicht erzwingen. Er kann nur darum werben, die Konsequenzen deutlich machen und warten.

Normalerweise sind es ja die Beter, die vor Gott klagen und ihn bitten – hier ist es eher umgekehrt: Gott klagt um sein treuloses Volk und bittet sie umzukehren. Was für ein Gott!
Bibeltext

Jeremia 2, 14-25 Selbst schuld?

Jeremia spielt auf die damalige politische Situation seines Volkes an. Juda wird zwischen den Großmächten Ägypten im Süden und Assyrien im Norden (später dann von den Babyloniern im Norden) zerrieben. Manchmal suchten die Mächtigen Bündnisschutz bei den Ägyptern gegen die Assyrer und manchmal liefen sie zu den Assyrern, um sich vor Ägypten zu schützen. Doch in beiden Fällen waren sie wie Sklaven, die sich selbst von einer Großmacht abhängig machten.

Jeremia sagt: “Das alles hast du dir doch selbst bereitet, weil du den Herrn, deinen Gott verlässt, sooft er dich den rechten Weg leiten will.” (V.17) Mhm… ist das nicht eine etwas platte Erklärung?! “Wenn’s in deinem Leben schief läuft, dann bist du selbst schuld, weil du Gott verlassen hast, weil du nicht gläubig und fromm genug bist!” Dieses “Selbst Schuld!” kling im ersten Moment ziemlich hart und zynisch. So als ob man dem Kind, das gerade die heiße Herdplatte angefasst hat und vor Schmerz schreit sagt: “Ich hab’s dir ja gleich gesagt, aber du wolltest ja nicht hören! Selbst Schuld! Geschieht dir recht, wenn’s jetzt weh tut.”

Andererseits glaube ich nicht, dass hier bei Jeremia Schadenfreude und Genugtuung mitschwingt. Es ist kein rechthaberisches “Selbst Schuld!”, sondern eher ein trauriges und fassungsloses. Ich schau mein eigenes Leben und Verhalten auch manchmal traurig und fassungslos an, weil ich feststelle, dass ich Glück und Erfüllung durch alle möglichen anderen Dinge finden möchte, anstatt bei und durch Gott selbst. Und ich muss mir dann sagen: Selbst schuld, wenn du meinst abseits von Gott sinnvolles Leben zu finden und dann feststellst, dass dich das alles nicht wirklich frei und zufrieden macht.
Bibeltext

Jeremia 2, 4-13 – schön blöd

Wieder ein eindrückliches Bild von Jeremia: Das Volk hat die lebendige Quelle (= Gott) verlassen und gräbt sich selbst Zisternen, die auch noch rissig sind und das Regenwasser, das sie sammeln auch noch verlieren. Wer ist denn so bescheuert, dass er eine Quelle mit frischem, klaren Wasser verlässt und sich statt dessen eine Zisterne gräbt, die ihr weniges schmutziges Regenwasser auch noch schnell versickern lässt? Da wär man ja schön blöd, wenn man so handeln würde…

Und doch tun wir alle das immer wieder, seit Jahrtausenden… Selbst wenn wir eigentlich wissen, wie genial Gott ist, meinen wir viel zu oft, wir könnten mit eigener Anstrengung was anderes und besseres finden. Und wir wundern uns ständig, warum wir nur solchen Durst haben…
Bibeltext

Jeremia 2, 1-3 Die Zeit der ersten Liebe

Komisch: An dieser Stelle wird die Zeit der Wanderung Israels durch die Wüste sehr positiv und vorbildhaft dargestellt. Gott spricht hier von der Treue von Israels Jugend und von der Liebe seiner Brautzeit. Ich hab das irgendwie anders im Kopf: Wenn man das 4. Buch Mose liest, dann wird da immer wieder von neuer Unzufriedenheit und Klage des Volkes berichtet. Immer wieder meckert es vor Mose und Gott und wünscht sich die Fleischtöpfe Ägyptens zurück (vgl. z.B. 4. Mo. 11,1-15). Auch Hesekiel bewertet die Wüstenzeit eher negativ: Hes. 20,13.

Ist das hier eine Übertreibung und Idealisierung der Vergangenheit? Aber die Worte kommen ja von Gott selbst – der müsste es doch eigentlich besser wissen! Für mich wird aus dem Vergleich der Texte deutlich, dass auch in der Zeit der ersten Liebe nicht alles perfekt war. Das Volk hat auch damals versagt und viel zu oft das Vertrauen in Gott verloren. Aber es war in der Wüstenzeit zumindest immer wieder so, dass das Volk zu Gott umgekehrt ist und sich Gott wieder neu zugewandt hat. Es war auch in seiner “Liebe der Brautzeit” alles andere als fehlerlos. Aber letztendlich folgte Israel in der Wüste seinem Gott. Das war wohl zur Zeit des Jeremia anders.

Mir wird dabei mal wieder deutlich, dass das Scheitern und Versagen zur Liebe mit dazu gehört. Die Liebe zu Gott zeichnet gerade aus, dass ich trotz Scheitern und Versagen immer wieder in die Arme Gottes zurück laufe. Die Zeit der ersten Liebe zu Gott ist etwas besonderes. Aber nicht deswegen weil diese Liebe reiner, heiliger und fehlerloser ist als das spätere. Sondern deswegen, weil die Bindung an Gott stärker ist, als alles Versagen.

Ich sehne mich auch so manches mal zurück nach dieser ersten Liebe zu Gott. Damals schien ich mit sehr viel mehr Herzblut und Hingabe dabei zu sein. Aber realistisch betrachtet, war auch diese Zeit voll von Fehlern und Versagen. Wichtig ist, dass ich auch heute, auch ohne die Hochgefühle der ersten Liebe, mich immer wieder Gott in die Arme werfe.
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Jeremia 1, 17-19 Wir machen den Weg frei?!

Naja, so richtig motivierend klingt das ja nicht unbedingt. Gott sagt dem Jeremia zwar, dass er bei ihm sein wird und dass er ihm Standhaftigkeit schenken wird, aber er bereitet ihn zugleich auf heftige Probleme und Widerstände vor. Jeremia soll seine Botschaft “wider die Könige Judas, wider seine Großen, wider seine Priester, wider das Volk des Landes” ausrichten. Sie alle werden gegen ihn streiten. Aber Jeremia soll davor nicht erschrecken, denn Gott ist ja bei ihm.

Mhm… ich kann mir angenehmere Aufgaben vorstellen. Wir denken ja doch eher, dass Gott so ein “Wir-machen-den-Weg-frei-Gott” ist. Aber bei Jeremia scheint es so, als ob ihm besonders viele Hindernisse in den Weg legt…
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Jeremia 1, 11-16 Das Erwachen des Mandelbaums

Und wieder “geschieht” das Wort des Herrn zu Jeremia. Interessanterweise geschieht es so, dass er etwas sieht: Einen Mandelbaumzweig und einen siedenden Kessel. Vielleicht wird hier ein bisschen was deutlich von der Art, auf der Gott zu Menschen sprechen kann. Ich glaube nicht, dass Jeremia einfach eine Stimme vom Himmel gehört hat. Hier an dieser Stelle sieht er etwas (sei es materiell vor sich oder sei es als Vision) und durch diese Gegenstände wird ihm eine Botschaft von Gott deutlich.

Zweig des MandelbaumsDer Zweig des Mandelbaums steht dafür, dass Gott nicht schläft, sondern dass er bereit ist einzugreifen. Im hebräischen handelt es sich hier um ein Wortspiel: Mandelbaum (schaked) und “wachend sein” (schoked) hören sich fast gleich an. Deshalb hat Luther den Mandelbaum als “erwachenden Baum” übersetzt. Außerdem ist der Mandelbaum der erste Baum, der nach dem Winter blüht und es scheint, als ob er im Winter gar nicht geschlafen hat.

Der siedende Kessel, der von Norden her überkocht, steht für die feindliche Bedrohung Judas von Norden her. Zur Zeit Jeremias war zwar die Stärke der alten Großmacht Assyrien vergangen (die Assyrer hatten noch 722 v.Chr. für den Untergang des Nordreiches Israel gesorgt). Aber inzwischen waren die Babylonier die starke Großmacht im Norden. Und die Babylonier standen den Assyrern in punkto Grausamkeit und Expansionsgelüsten in nichts nach. Diese Bedrohung aus dem Norden spielt für das gesamte Jeremiabuch eine große Rolle. Aber nicht so sehr weil Jeremia politische Weisheiten verbreiten will, sondern gerade weil Jeremia dazu auffordert nicht auf politische Bündnispolitik zu vertrauen, sondern auf Gott.

Mir gefällt vor allem das Bild vom Mandelbaum. Es ist Winter, die Bäume sind kahl und scheinen gar kein Leben mehr in sich zu haben. Als erstes fängt der Mandelbaum an zu blühen. Er zeigt, dass gegen allen Augenschein die Natur lebt. Die Bäume werden erwachen, sie werden grünen und blühen. Auch wenn es für uns manchmal nicht so aussieht: Gott lebt, er ist da und seine Worte werden zur richtigen Zeit grünen und blühen.
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Foto: flickr.com | Victor Nuno

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Jeremia 1, 4-10 Ich kann das nicht!

Wie schön, wie menschlich, wie verständlich! Bei den meisten alttestamentlichen Propheten verschwindet der Bote ganz hinter seiner Botschaft. Wir wissen oft nicht viel von ihren persönlichen Gefühlen. Bei Jeremia wird ein bisschen mehr sichtbar. Schon hier ganz am Anfang, bei seiner Berufung. Da “geschieht” das Wort des Herrn zu Jeremia (tolle Formulierung, die Luther zurecht wörtlich aus dem Hebräischen übernimmt, auch wenn sie im deutschen nicht gebräuchlich ist!) und Gott erklärt, dass Jeremia schon vor seiner Geburt dazu bestimmt ist, Prophet zu sein… und Jeremia meint: “Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.” (V.6)

Ich kann diese Angst gut verstehen und finde es erstaunlich, dass Gott gerade solch einen Menschen gebraucht. Ich glaube nicht, dass das nur eine faule Ausrede für Jeremia war, sondern dass er wirklich sehr jung war und dass er sich nicht vorstellen konnte, diese Aufgabe zu übernehmen. In der damaligen Zeit hatte eigentlich sowieso nur das Wort von Älteren Gewicht. Wie soll er da als junger Mensch in der Autorität Gottes auftreten (und wie wir später sehen werden, dem Volk und den Ältesten Gericht und Strafe Gottes ankündigen)?!

Aber es geht nicht um seine eigene Einschätzung, sondern darum, dass Gott gerade ihn gebrauchen möchte. Er befähigt ihn genau zu der Aufgabe, für die er ihn vorgesehen hat. Ich habe das auch schon so erlebt und erlebe es immer wieder so. Ich hab schon des öfteren gedacht: “Ich kann das nicht!” Und doch ging es dann. Nicht weil ich so toll bin, sondern weil Gott da ist! Das heißt nicht, dass es einfach ist, Gottes Wegen zu folgen. Im Gegenteil: es ist oft schwer, mühselig und frustrierend. So hat es auch Jeremia dann erlebt. Aber es heißt, dass es geht – auch wenn wir es nicht für möglich halten…
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Jeremia 1, 1-3 Religiöses Establishment

So, nach den Petrusbriefen nun wieder etwas längeres und alttestamentliches: Jeremia. Einer der drei sogenannten “großen Propheten” des Alten Testaments (Jesaja, Jeremia und Hesekiel – groß nicht als Werturteil, sondern wegen dem Umfang ihrer Bücher). In den ersten Versen wird kurz seine Herkunft erwähnt und die Zeit in der er gelebt hat.

Jeremia stammt aus einer Priesterfamilie und ist in Anatot, einem kleinen Ort etwas fünf Kilometer nördlich von Jerusalem aufgewachsen. Er kommt also aus dem religiösen Establishment und ist ganz nah am religiösen Zentrum Israels (dem Tempel in Jerusalem) aufgewachsen. Ich find’s schön, dass Gott ganz unterschiedliche Menschen beruft und gebraucht. Da ist z.B. der Prophet Amos, der Schafhirte war und den Gott für einige Zeit als Prophet gebraucht. Aber da ist auf der anderen Seite eben auch jemand wie Jeremia, für den Glaube schon längst Tradition ist und dessen Familie hauptamtlich für Religion zuständig ist.

Wir stehen ja alle in der Gefahr, Leute von ihrer Herkunft und ihrem Umfeld her zu beurteilen. Manchen ist es vielleicht suspekt, wenn jemand aus religiöser Tradition kommt und Glaube sozusagen zum “Geschäft” gehört. Andere sind wiederum vorsichtig, wenn jemand ganz ohne theologische Bildung und dann noch als einfacher Schafhirte den Anspruch hat Gottes Wort weiter zu geben. Aber Gott ist das alles ziemlich schnurz. Er braucht nur ein Herz, das offen ist, um ihn zu hören und zu gehorchen.
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2. Petrus 3, 14-18 – Petrus vs. Paulus

Auch die Apostel waren nicht immer ein Herz und eine Seele. In Gal. 2,11-21 berichtet Paulus von einer Meinungsverschiedenheit mit Petrus und jetzt am Ende des zweiten Petrusbriefes stichelt Petrus gegen Paulus: Er bezeichnet Paulus zwar als einen “lieben Bruder”, aber er macht auch deutlich, dass er manches in seinen Briefen für schwer verständlich hielt und auch von “Unwissenden und Leichtfertigen” leicht zu “verdrehen”. Paulus lehrt seiner Meinung nach also zu kompliziert und zu missverständlich!

Ich find’s beruhigend und auch irgendwie schön, dass wir in der Bibel solch eine Vielfalt von unterschiedlichen Sichtweisen auf das Evangelium haben. Wenn das nicht so wäre, dann müssten wir eigentlich an den vielen verschiedenen Kirchen und Gemeinschaften die es heute gibt verzweifeln. Aber wir sehen ja, dass es da von Anfang an Unterschiede gab und dass selbst die Apostel nicht in allem so hundertprozentig einig waren. Auch Petrus und Paulus waren nur Menschen und trotzdem hat sie Gott auf großartige Weise gebrauchen können.
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2. Petrus 3, 10-13 – Der geerdete Himmel

Petrus schreibt von Jesu Wiederkunft und vom neuen Himmel und der neuen Erde. Bin heute vor allem an der “neuen Erde” hängen geblieben. Petrus bezieht sich damit wohl auf Verheißungen aus Jes. 65,17 und Jes. 66,22. Wenn es um unsere Zukunft am Ende der Welt geht, dann denken wir ja normalerweise eher an eine himmlische Welt. Wir werden dann doch bei Jesus im Himmel sein! Wieso dann neue Erde?!?

Hab keine Ahnung wie sich Petrus das vorstellt und wie diese neue Erde aussehen soll. Aber es ist interessant zu sehen, wie geerdet die Zukunftsvorstellungen der Bibel sind. Natürlich grenzt sich Petrus hier auch ab von den Gnostikern, deren Zukunftshoffnung so aussah, dass der göttliche Seelenfunken irgendwann in Gottes übernatürliche Welt aufgenommen wird. Für sie die die Vorstellung einer “neuen Erde” geradezu lächerlich, denn für sie ist alles irdische vergänglich und Gott ist ewig und geistlich. Er ist allem materiellen enthoben und nur die Seele kann Kontakt mit ihm haben. Alles irdische und körperliche ist für sie vergänglich und damit bedeutungslos.

In der Bibel wird dagegen von der neuen Erde gesprochen und von einem neuen geistlichen Leib (1. Kor. 15,44). Da drückt sich eine sehr viel höhere Wertschätzung des Irdischen und Leiblichen aus. Die Erde und der Leib sind nicht an sich schlecht, aber sie bedürfen einer Erneuerung und Neuschöpfung. Wie diese Neuschöpfung aussehen wird, darüber können wir nur spekulieren und das bringt nicht viel. Aber diese grundlegende Wertschätzung von Leib und Erde kann jetzt schon mein Verhalten gegenüber der Schöpfung und meinem Körper beeinflussen.
Bibeltext

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