So, da bin ich doch noch mal… Ich war diese Woche zu Voruntersuchungen im Krankenhaus und darf jetzt vor der OP noch mal ein paar Tage nach Hause. Schön!
Aber der Reihe nach: Vor ca. 1,5 Wochen bin ich nachts aufgewacht und mein linker Fuß hat gezuckt. Kein nervöses Zucken, sondern ein pulsieren wie bei einem epileptischen Anfall. Das hörte dann zum Glück nach 2 min. wieder auf – aber ich war ziemlich durcheinander. Selbst als bekennender Arztmuffel war mir klar, dass ich damit zum Onkel Doc. muss: Hausarzt, dann Neurologe, dann anderer Neurologe mit Kernspin,… Hatte bis dahin keine Ahnung, um was es geht und natürlich alle möglichen Ängste und zugleich Hoffnungen, dass es nichts Schlimmes sei.
Dann die Diagnose nach dem Kernspin: Gehirntumor! Schon ein ziemlich großes Gewächs. Der muss schon jahrelang in mir drin wachsen, ohne offensichtliche Symptome. Er ist höchstwahrscheinlich gutartig, muss aber auf jeden Fall rausoperiert werden. Positiv ist, dass er direkt unter der Schädeldecke sitzt, er ist also gut erreichbar. Die Gefahren sind bei der OP: Blutungen im Gehirn. Schwierig ist wohl auch die genaue Abgrenzung zwischen gesundem Gewebe im Gehirn und Tumor. Am Freitag, 12.3. muss ich zur Operation in die Uniklinik in Tübingen.
Körperlich geht’s mir im Moment eigentlich ganz gut. Ich spür keine großen Auswirkungen von diesem “Ding” in meinem Kopf: Ab und zu ein bisschen Kopfweh, manchmal Taubheitsgefühle im linken Bein, einen weiteren epileptischen Anfall hatte ich seit dem ersten nicht mehr.
Dann ist da natürlich die Angst und die Sorgen. Es lässt sich gar nicht vermeiden, dass man sich über alles mögliche Gedanken macht, denn ich weiß, dass bei dieser OP alles mögliche passieren kann. Anderseits spüre ich auch eine gewisse Gelassenheit. Ein Schritt nach dem anderen. Ich bin z.B. selbst erstaunt, dass ich bis jetzt noch richtig gut und tief schlafen kann. Ich weiß, dass sehr viele liebe Menschen für mich beten – das tut gut, das tröstet, das gibt Hoffnung. Ich merke zum ersten mal so richtig tief, wie gut es ist, in einem Beziehungs- und Liebesnetz von Brüdern und Schwestern eingeknüpft zu sein. Vielen Dank auch für eure lieben Wünsche und Gebete!
Ich merke auch, wie sich das Leben in solchen Momenten einerseits reduziert und anderseits intensiviert. Es reduziert sich alles auf das Wesentliche. Meine Frau hat es gestern wunderschön ausgedrückt: Sie hat gemeint, dass jetzt nur noch das wirklich Wichtige zählt: Glaube, Hoffnung, Liebe (1.Kor.13,13). Ich dachte nur: JA! Was will man mehr! Glaube, Hoffnung, Liebe! Wie singt Reinhard Mey so schön: Was uns groß und wichtig erscheint, wird plötzlich nichtig und klein.
Zugleich wird das Leben intensiver. Ich habe ganz intensive Momente, wenn ich manchmal meine Frau und meine Kinder anschaue und einfach nur Liebe und Dankbarkeit für sie empfinde. Scheinbar alltägliche Dinge werden wertvoll und tief: Gestern war ich mit meiner Frau auf einem Spaziergang und wir haben in einem Café etwas getrunken… und ich hab es soooo sehr genossen (obwohl ich nicht so der typische “Spaziergang-Typ” bin).
Naja, so viel mal für heute. Vielleicht melde ich mich in den nächsten Tagen noch mal. Und nicht vergessen: Glaube, Hoffnung, Liebe!!!
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